22. Aug, 2016

Bäume, Wald und Kopf hoch

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr seht? Wenn einfach alles etwas viel oder vielleicht sogar zu viel ist und ihr denkt, ihr kommt nicht vorwärts?

So ähnlich habe ich mich heute gefühlt und habe mich deshalb entschlossen, eine "ich-lüfte-meinen-Kopf-und-komme-auf-neue-Gedanken-Walking-Runde" zu machen. Mit Finny im Schlepptau machte ich mich also auf, in Richtung Wald zu gehn. Hoch motiviert und ebenso konzentriert marschierte ich dort angekommen los und beobachtete dabei, wie ich immer einen Fuss vor den anderen setzte und somit immer einen Schritt nach dem anderen machte. Dabei dachte ich fast etwas stolz: "Gut machst du das, Sandra! Immer einfach einen Schritt nach dem anderen..." Und doch war ich erstaunt, dass sich das aber irgendwie gar nicht richtig gut anfühlte, sondern anstrengend und ermüdend war. Ich betrachtete weiterhin hoch konzentriert meine Schritte, den Blick dabei natürlich immer zum Boden gesenkt, bis ich es dann hatte - mein erstes "Aha-Erlebnis" von heute. Mehr oder weniger per Zufall musste ich nämlich kurz meinen Blick vom Boden erheben, um sehen zu können, wo Finny gerade war und was sie macht - und da sah ich es: Etwas weiter vorne, dort wo mein Blick, wäre er weiterhin gesenkt gewesen, ich gar nicht hätte hinschauen können, dort vorne also fielen Sonnenstrahlen zum Boden und sahen aus, wie kleine sonnige Oasen in der Dunkelheit.

Mir wurde daraufhin schlagartig klar, dass das Laufen mit gesenktem Kopf so ermüdend ist, weil ich dabei weder die "Lichtblicke" auf meinem Weg sehen kann, geschweige denn mein Ziel.

Den Kopf nun also hoch erhoben und den Blick nach vorne gewandt, wurde auch auf einmal das Laufen viel einfacher und meine Gedanken wurden weiter und freier.  Das tat richtig gut. Und es kam ein Aha-Erlebnis nach dem anderen daher. Eines zum Beispiel als ich plötzlich vor einem grösseren bzw. längerem sonnige Abschnitt auf meinem Waldweg stand. Oder ein anderes, als ich mich per "Zufall" für einen Weg entschied, der aus dem Wald herausführte und mir plötzlich eine bombastische Rundumsicht erlaubte.

Ich begann also ganz neugierig zu betrachten, was mir mein Weg heute alles zeigen und sagen wollte und ich muss gestehen, er redete recht viel.

Alles bekam auf einmal eine Bedeutung. Die Kurve, die zwar noch in der Sonne liegt, bei der ich aber noch nicht mal erahnen konnte, was danach kommt. Der sonnige Weg, der dann wieder in den Schatten führt. Oder die Begegnung, die Finny und eine Katze heute hatten und welche für Finny in dieser Form etwas absolut Neues war.

Alles bekam irgendwie einen Sinn und je mehr Sinn es macht, je mehr Spass machte es auch und ich wurde immer motivierter und neugieriger meinen Weg zu gehn.

Und was habe ich daraus gelernt?

Die Natur, das Universum oder wer auch immer, schickt uns, wenn wir diese wollen und brauchen, gerne Botschaften zu. Wir müssen nur bereit sein, hin zu sehn.

Ich habe meine Lektion für heute auf alle Fälle gelernt und werde heute und hoffentlich auch noch morgen, mit geradem Kopf und dem Blick nach vorne durch die Welt spazieren, marschieren oder manchmal einfach gehn. Denn das macht mehr Spass, raubt weniger Energie, lässt einem die Lichtblicke auf seinem Weg sehen und ermöglicht einem, sein Ziel im Auge zu behalten.