18. Dez, 2016

Im Fluss des Lebens - oder vom Geschenk, weinen zu können

Irgendwie ist das mit dem Weinen so eine Sache. Manche von uns haben gelernt, dass "man" nicht weint, seine Gefühle kontrolliert und diese nicht zeigt. Andere haben geweint, und wurden sogleich als Heulsuse abgetan. Wir verbinden Weinen mit etwas Schlimmen und haben Mühe damit, es auszuhalten, wenn jemand neben uns weint. Viele von uns fühlen sich dann unwohl, überfordert und wir möchten, dass diese Person möglichst schnell mit dem Weinen aufhört.

Aber ist das wirklich die richtige Reaktion? Würde es mir, wenn ich weine, nicht mehr bringen, wenn ich den nötigen Raum und die nötige Zeit bekomme, sodass meine Tränen etwas bewirken und verändern können in mir?

Denn Tränen haben ja durchaus ihren Sinn. Sie transportieren Stresshormone und Gifte aus dem Körper, töten Bakterien ab, schaffen einen neuen, klaren Blick und reinigen zudem das Herz.

Gründe für Tränen gibt es viele: Es gibt die Tränen des Verlustes, der Verzweiflung, der Ohnmacht, des Schmerzes, der Trauer, der Wut oder der Angst. In diesen Situationen helfen uns die Tränen mit den erlebten Situationen fertig zu werden und sorgen dafür, dass diese Gefühle aus unserem Körper fliessen können und sich nicht als "Brocken" irgendwo in unseren Herzen oder sonst irgendwo in unserem Körper festklammern und wir längerfristig krank werden davon. Diese Tränen wirken reinigend und wir fühlen uns nach dem Weinen nicht nur psychisch sondern auch physisch wieder besser danach.

Aber nicht alle Tränen sind ja mit Schmerzen verbunden. Es gibt auch die wunderbar schönen Tränen, die wir erleben aufgrund von grossem Glück. Die Tränen der Freude sind Balsam für Körper und Seele und Tränen des Lachens stecken meist das ganze Umfeld mit an.

Man sagt: Tränen helfen, im Fluss des Lebens zu sein und weiter zu kommen.

Ich wünsche uns deshalb allen viel Mut, unsere Gefühle nicht immer kontrollieren zu wollen, sondern loszulassen und selbst mal wieder zu weinen. Aber auch, einem Weinenden in unserer Umgebung Raum zu lassen, sodass bei ihm sich etwas verändern kann.

Weinen ist ein Geschenk. Geniessen und schätzen wir es.