29. Okt, 2017

608 Tage

608 Tage sind es nun her, seit dem du diese Welt verlassen hast. Es war deine Entscheidung, die ich akzeptiere - auch wenn es mir schwer fällt, da ich dich ganz egoistisch noch immer unglaublich vermiss. Aber ich weiss, dass es dein Wunsch war, zurück zu gehen, dorthin von wo wir alle sind.

Damals als es passiert war, gab es viele Menschen die sagten, sie wären für uns – für mich - da. Und bis zu deiner Beerdigung waren sie auch überall. Sie sagten liebe Worte. Sie sagten, sie würden sich um mich kümmern. Sie sagten: „Du bist nicht allein.“

Und ich glaube sogar, sie meinten das ernst.

Bei der Beerdigung waren sie alle da. Es war wunderschön. Es war eine richtige Trauerfeier und ich bin sicher, es war so, wie du es dir gewünscht hast.

Doch dann passierte etwas Komisches.

Die Leute verabschiedeten sich und sagten: „Wir lassen dich jetzt etwas in Ruhe, sodass du etwas Zeit hast, für dich.“

Und dann… dann war plötzlich einfach nichts. Du warst nicht mehr da. Der ganze Trubel war plötzlich weg. Ich war einsam und allein.

Aber das war nicht das, was ich gebraucht hätte. Ich hätte mir gewünscht, dass sie auch danach den Mut gehabt hätten, sich zu melden. Ja. Es kann gut sein, dass ein Treffen mit mir damals Tränen ausgelöst hätte. – na und?

Ich weiss, viele von den Menschen waren und sind noch immer überfordert, wenn es um das Thema Tod – geschweige denn um Selbstmord – geht. Viele wissen nicht, was sagen in solch einer Situation. Viele haben Angst, Schmerz auszulösen oder jemandem in die Augen zu schauen, der weint.

Aber, wenn ich euch allen da draussen einen Rat geben darf: Zieht euch nicht zurück von jemandem,  der in Trauer ist. Habt keine Angst davor, etwas Falsches zu sagen oder etwas aufzuwühlen. Im Gegenteil.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Menschen auch weiterhin da sind. Dass sie mit mir über dich sprechen. Dass sie zusammen mit mir weinen. Und dass sie mich zwischendurch zum Lachen bringen.

Aber die allermeisten von ihnen hatten Angst.

Ich möchte euch deshalb nochmals sagen: Das braucht ihr nicht. Im Gegenteil. Ich glaube, es ist für jeden Angehörigen schön, wenn man über den geliebten Verstorbenen spricht. Also getraut euch, zu reden und nachzufragen. Der Trauernde wird euch schon sagen, wann es für ihn zu viel ist oder er eine Pause braucht.

Und übrigens: Auch wenn man nicht weiss was sagen, und einfach zusammen schweigt, kann das sehr heilend sein.

Du bist jetzt dort, wo du hin wolltest. Ich gönn es dir. Und irgendwann treffen wir uns dort wieder. Ich freu mich drauf.