Blog Teil 2

30. Mai, 2021

Ich bin gerade tief bewegt. Bewegt, weil bei der LTC-Ausbildung die letzten Tage das Thema Werte auf dem Stundenplan stand. Werte. Was sind das? Geht es hierbei um das, was wir tief in uns drinnen spüren, was richtig und wichtig ist, oder geht es eher noch immer um die alten Glaubenssätze, welche uns unsere Eltern oder unser Umfeld uns damals verinnerlicht haben? Und falls dem so ist, sind denn diese Werte für uns heute noch immer wirklich wahr? Oder wäre es Zeit, diese Werte zu überdenken?

Ich habe in meinem Leben schon mehrfach erfahren, dass etwas, von dem ich absolut der Überzeugung war, dass es richtig und wichtig ist, am nächsten Tag plötzlich doch nicht mehr stimmt. Dass es Ereignisse und Erlebnisse gab, die einfach alles auf den Kopf stellten und nach denen ich nochmals von vorne zu denken und zu fühlen begann. Und doch gibt es in meinem Leben ein paar Dinge, die für mich einfach ganz oben stehen in dem, was für mich WERTvoll ist. Diese Qualitäten gehören zu meinem Lebensplan dazu und diese Werte kamen auch bei diversen Tests in diesem Zusammenhang bei mir heraus:

Weisheit – Verbindung – Mitgefühl - Vertrauen. Ich bin so tief bewegt, weil diese Worte, für mich alles aussagen, für was ich stehe und für was ich hier auf Erden bin.

Es geht mir nämlich darum, mich an meine ganz eigene Weisheit zu erinnern und es geht mir darum, auch andere Menschen zu unterstützen, sich an ihre Weisheit zu erinnern und wieder dahin zu gehen. Es geht mir um die Verbindung und das Verbinden vom Himmel und der Erde bzw. auch um das Verbinden vom Leben und dem Tod. Es geht mir um Mitgefühl, für alles was in und um mich herum ist. Und es geht um Vertrauen oder besser gesagt, um das Urvertrauen schlecht hin.

Ich bin so tief bewegt, weil diese vier Worte meine gesamte Lebensaufgabe widerspiegeln und weil ich es so krass finde, dass das sogar bei ganz banalen Tests das Ergebnis ist.

Ich bin so dankbar, dass ich mit Coaching die Möglichkeit habe, diese Qualitäten den Menschen zur Verfügung zu stellen, für welche ich eine WERTvolle Unterstützung bin.

Denn ich bin wirklich der absoluten Überzeugung:

  • Wir haben alles in uns – nur oft haben wir den Zugang und den Schlüssel zu unserer Weisheit vergessen.
  • Das Leben hier unten auf der Erde in vollen Zügen zu geniessen, und seine ganz eigene Lebensaufgabe zu finden und diese auch zu gehen, geht dann am besten, wenn wir den Himmel und die Erde verbinden und auch mal das Thema Tod als Ratgeber dazu nehmen.
  • Mitgefühl ist Balsam, Antwort und Heilung zugleich.
  • Wenn ich weiss, woher ich komme und wohin ich gehe, dann kann nichts und niemand dieses Urvertrauen ins Wanken bringen - egal, was im Aussen auch immer passiert.

Ja. Das sind meine Werte. Und für dich stehe ich ein.

Danke, dass ich mich zeigen darf. Und dass es dich interessiert, wer ich bin.  

 

Und was sind deine Werte? Kennst du diese schon? Oder hast du Lust, diese zu erforschen?
Falls du magst, bin ich hier. 

 

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18. Mai, 2021

Mein geliebter grosser Bruder

Morgen ist dein Geburtstag. Ich wünschte, ich könnte mir dir zusammen im Himmel feiern, dass du damals dich entschlossen hast, hier runter auf die Erde zu kommen und diesen wundervollen Ort, in dem wir normalerweise alle leben, für einige Jahre zu verlassen, um hier unten dich den Aufgaben des Lebens zu stellen. Ich danke dir so sehr, dass du das machtest. Denn damit hatte ich die Chance, dich in diesem Erdenleben als grossen Bruder zu haben. Und das war so wunderschön.

Lieber grosser Bruder. Du warst so anders. Irgendwie warst du weiter, als viele hier unten auf der Erde sind. Du hast schon so viele Zusammenhänge erkannt, von denen die meisten Menschen noch gar keine Ahnung haben, doch das machte dich auch ein wenig einsam und die Sehnsucht zurück zu gehen, nach dem Ort, wie wir herkommen und wo die reine Liebe Zuhause ist, wurde immer stärker. So stark, bis du dich dann Anfang 2016 entschieden hast, deinen Rückweg anzugeh’n.

Mein lieber grosser Bruder. Immer wieder höre ich hier auf Erden, dass wir Vorbilder haben sollen. Mentoren. Menschen, denen wir nacheifern wollen, und dann frage ich mich: «Wer soll den das sein?» Und ich muss sagen, diese Frage zu beantworten fällt mir echt sehr schwer. Denn leider geht es bei vielen von diesen sogenannten «Vorbildern», noch immer vor allem um die Ausübung von Ruhm oder Macht und/oder um das eigene Ego zu streicheln – und weniger darum, den anderen, also den Schüler, wirklich weiter zu bringen, und diesen auch zu seh'n.

Bei dir war das anders, du geliebter grosser Bruder. Für mich warst du ein Vorbild in vielerlei Hinsicht. Vor allem was du mich gelehrt hast, über Menschen zu denken, die eine andere Herkunft haben, die anders aussehen, die anders fühlen oder lieben als ich, hat mich sehr stark und nachhaltig geprägt. Du hast mich veranlasst, mich mit ganz entscheidenden Dingen auseinanderzusetzen und ich bin dir einfach nur unendlich dankbar dafür.

Du mein grosser Bruder, warst mir ein so guter Lehrer und bist es nach wie vor für mich. Dich kann ich anfragen, wenn ich nicht mehr weiterkommen und ich weiss, du lässt mich nie alleine. Du lässt mich nie im Stich.

Hab morgen einen wundervollen Tag im Himmel, an dem du dich erinnerst an dein letztes Erdenleben hier. Du warst eine so wichtige Seele, die so vielen Menschen hier unten auf der Erde ein so gutes Vorbild gewesen bist.

Ich danke dir dafür.

 

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2. Mai, 2021

Ich sitze auf meinem Lieblingsstuhl, den Laptop auf den Knien, ein Glas alkoholfreier Sekt steht nebenan und ich schaue in das Feuer. Die Flammen tanzen und scheinen mir irgendeine Geschichte erzählen zu wollen. Unglaublich, wie lange ich das schon nicht mehr gemacht habe. Einfach hier zu sitzen, und mich zu entspannen. Das Glas Rimuss nun in der Hand und der Duft von Rauch in meiner Nase. Ich bin fasziniert von diesem Spiel der Flammen und kann kaum wegschauen. Irgendwie hat das so was Meditatives an sich und irgendwie denke ich immer, wenn ich ein Feuer im Kamin anmache, an alle Seelen, welche schon vor mir hier waren.

Ich schaue in das Feuer und beobachte, was für Ähnlichkeiten so ein Feuer mit unserem Leben doch hat. Es beginnt ganz klein und zart, wird dann plötzlich wild und unbändig, dann flacht es wieder etwas ab und wenn man einen grossen Brocken über das Feuer stülpt, scheint es für einen Moment, als wäre es ausgegangen. Und doch stimmt das so überhaupt nicht. Denn die Flammen schlängeln sich ganz leise und zart umher und scheinen diesen Brocken nur ganz sanft zu umhüllen. Lange Zeit bewegen sie sich dann unscheinbar umher, bevor sie plötzlich wieder mit voller Kraft zum Leben erwachen.  

Auch in unserem Leben ist es doch manchmal so. Unser Leben ist wild und ungestüm. Dann wieder ganz fein und leise. Manchmal haben wir einen schweren Brocken über uns, und dann brennen wir plötzlich wieder in vollster Weise.

Auch in meinem Leben gab es schon ein paar Mal solche grosse Brocken, von denen man hätte annehmen können, dass sie mein Feuer hätten auslöschen können. Doch genau solch grosse Brocken sind es, die wenn man etwas Geduld aufbringt, zwar zuerst etwas Glut produzieren, bevor sie dann aber wieder ein riesiges Feuer entfachen.

Um mich war es in der letzten Zeit, etwas ruhiger gewesen. Dies, weil meine Flammen, gerade etwas Grosses am Bearbeiten sind. Ich bin mich nämlich gerade ganz aktiv am Weiterentwickeln, am Lernen und am mich erinnern. Sodass ich ganz bald bereit für den nächsten prächtigen Flammentanz bin...

 

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4. Apr, 2021

Lieber Vati. Es war Ostersonntag vor zwei Jahren, als du dieses Erdenleben verlassen hast. Du hattest eine sehr schwierige Zeit hinter dir, mit schwerster Lungenentzündung, Intensivstation, Beatmungsgerät – eigentlich genau das, was Corona-Patienten jetzt erleben - nur warst du schon ein Jahr früher dran.

Diese Wochen auf der Intensivstation haben aber nicht nur dich, sondern auch uns an unsere Grenzen gebracht. Denn auch wenn die Menschen, die dort für dich da waren, absolut liebevoll waren, so war es doch total grässlich zu sehen, wie du littest und mit diesem Schlauch im Hals auch die Kommunikation nicht möglich war.

Und doch hast du dort nicht aufgegeben, sondern du hast dich nochmals zurück ins Leben gekämpft. Du hast alle Energien zusammengetragen, um das Spital nochmals verlassen zu können und du hast es geschafft! Du bist dann in die Reha ins Zürcher Oberland gekommen, wo du noch eine wundervolle Aus- bzw. Rundumsicht genossen hast. Wir konnten dich dort alle noch besuchen und Finny sass ganz lange auf deinem Schoss. Das war für dich so wichtig, bevor du dann, wie gesagt, am Ostersonntag diese Erde verlassen hast.

Und dass du an diesem Tag gestorben bist, wo Jesus aufersteht – berührt mich ehrlich gesagt noch immer sehr. Denn Ostern steht für Aufbruch und für Neuanfang und bei Google steht: "Am Ostersonntag feiern Christen die Auferstehung Jesu und den Sieg des Lebens über den Tod."

Der Ostersonntag ist für mich deshalb ein äusserst spezieller Tag. Und dass wir uns irgendwann wieder sehen, steht für mich absolut ausser Frage.

Lieber Vati, ich möchte dir einfach noch sagen: "Danke, dass du mein Vater warst."

   

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1. Mrz, 2021

Heute sind es genau 5 Jahre her, als mein Herz in 1000 Stücke zersplittert ist. Es ist noch immer kaum zu beschreiben, wie unfassbar dieses Gefühl war, als die Frau Polizistin am anderen Ende der Telefonleitung auf meine Frage: «…aber er lebt noch…?!» nach einer langen Pause erwiderte: «…nein…».

Ich dachte in dem Moment, mein Kopf würde zerplatzen. Ich dachte, dass ich diesen Satz nicht aushalten kann.

5 Jahre ist es her, dass ich erfahren habe, dass du, mein geliebter grosser Bruder, nicht mehr hier bist. Und dass es plötzlich nicht mehr möglich sein sollte, dich jemals wieder zu sehn.

An diesem 1. März vor 5 Jahren wusste ich noch nicht, dass du dich freiwillig auf den Rückweg ins Licht gemacht hast. Und auch, was die nächsten Tage auf uns zukam, wussten wir zum damaligen Zeitpunkt überhaupt noch nicht. Manchmal kam ich mir selbst in diesen Tagen vor, wie in einem Krimi, oder auch teilweise wie in einem schlechten Film. Aber es gab auch Momente, die einfach nur unfassbar beeindruckend und unvergesslich waren und für die ich bis heute einfach nur dankbar bin.  

In den letzten 5 Jahren ist viel passiert bei mir und ich habe so viel gelernt aus deinem Leben und aus deinem Tod. Ich habe alles was ich dachte zu wissen nochmals hinterfragt & bin bei dem einen oder anderen Thema noch immer dran. Du hast mir, mein geliebter Bruder, so viel für mein Leben hinterlassen, für das ich dankbar bin. Ich glaube, du warst dir wahrscheinlich gar nicht im Klaren, wie wertvoll du während deines Lebens und auch danach noch, für ganz viele Menschen bist.

Dass ich mich getraut habe, über diese so krassen 11 Tage nach deinem Tod - aber auch noch über viel mehr - in meinem Buch zu schreiben, war sicherlich für mich selbst heilsam, aber nicht nur das. Denn ich weiss inzwischen, wie es die Menschen berührt, die es lesen und wie es ihren ganz eigenen Prozess anregt.

Mein Schmerz hat nachgelassen in der Zwischenzeit und du hast mich gelehrt, geniessend meinen Lebensweg zu gehen. Aber auch, wenn ich weiss, dass du ins Licht zurück bist und wir uns dort irgendwann wiedersehn, so bedeutet das nicht, dass ich es nicht unendlich schön finden würde, wenn du mich jetzt in den Arm nehmen könntest. Denn jetzt vermisse ich dich gerade so sehr…

 … ach warte… ich spüre es gerade… Danke mein lieber Bruder. Ich merke gerade, du bist hier…

 

 

Jauh di mata - dekat di hati

Mein Buch - www.aus-unserer-sicht.ch (aus-unserer-sicht.ch)